Das Muster ist immer gleich.
Im Erstgespräch sind alle begeistert. Man wird mit Interesse überschüttet. Es werden kluge Fragen gestellt. Das Thema wird als zukunftsweisend, relevant und gesellschaftlich wichtig beschrieben. Manche geben sich beinahe euphorisch.
Am Ende fallen dann die obligatorischen Sätze:
„Wir melden uns wieder.“
„Wir wollen unbedingt mit Ihnen zusammenarbeiten.“
„Das war total wertvoll.“
Und dann?
Dann wird Accessibility als Erstes aus dem Projekt gestrichen, sobald es irgendwo um Budget, Zeit oder Prioritäten geht. Dann ist plötzlich doch „gerade kein Raum dafür“. Dann wird aus der angeblich so wichtigen Barrierefreiheit wieder genau das, was sie in vielen Firmen schon immer war: ein Image-Accessoire ohne echte Zahlungsbereitschaft.
Denn solange Accessibility vor allem für Präsentationen, Leitbilder und LinkedIn-Posts gebraucht wird, ist sie willkommen. Sobald sie aber echte Arbeit, echte Konsequenzen und echte Rechnungen bedeutet, wird es still.
Sehr still.
Und dann melden sie sich nicht wieder.
Oder, fast noch dreister: Sie melden sich Wochen später doch noch einmal. Nicht mit einem Auftrag, selbstverständlich. Sondern mit einer „ganz kurzen Frage“. Einer „kleinen Einschätzung“. Einer „schnellen Rückmeldung“, die man „vielleicht unkompliziert per Mail“ geben könne.
Wer in diesem Bereich arbeitet, kennt die Übersetzung solcher Formulierungen längst:
Aus „kurz“ werden zwei Stunden.
Aus „eine kleine Frage“ wird eine fachliche Einordnung mit Risikoabwägung.
Aus „nur eine Mail“ wird unbezahlte Beratungsleistung.
Man investiert Zeit, Erfahrung, Konzentration und Sorgfalt. Man antwortet ordentlich, weil man professionell arbeitet. Und danach? Nichts. Wieder nichts.
Kein Auftrag.
Keine Vergütung.
Keine weitere Rückmeldung.
Aber die Information wurde natürlich gern mitgenommen.